Glossar

Glossar zu den Lehrvideos mit Prof. Dr. h.c. Christoph Bossert, Zusammenstellung Andrea Dubrauszky [AD], Christoph Bossert [CB]

Dieses Glossar ist eine Ergänzung zu den Ausführungen von Christoph Bossert in den Lehr-Videos und wird Zug um Zug weiter vervollständigt. Stand: Februar 2024.

1 Fachbegriffe zu den Lehrvideos

Aus: EBERLEIN (2016). In: Walcker-Stiftung für orgelwissenschaftliche Forschung, Link, Punkt 7. Eberlein zitiert einen Orgelbauer namens Hans Suys aus Nürnberg, der ab 1500 in Köln ansässig war, bezüglich einer neu zu bauenden Orgel in der Kathedrale von Antwerpen. Suys fügte dem 1509 geschlossenen Vertrag eine lange Aufzählung von allerneusten Registern an, welche die geplante Orgel enthalten …

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Auszug aus seiner Biographie nach Friedrich Wilhelm MARPURG (Hrsg.), Historisch-Kritische Beyträge zur Aufnahme der Musik, Bd. 1, Berlin 1754, S. 148–152 (Online-Version in: Bayerische Staatsbibliothek, Münchner Digitalisierungszentrum. Link [18.06.2022]): Agricola war Komponist, Kapellmeister, Musiktheoretiker, Publizist. Ausbildung zunächst durch Privatlehrer. Studium der Fächer Philosophie, …

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Den Artikel Bach und Hohenlohe. Die fränkische und die Ohrdrufer Linie der Familie Bach unter der Regentschaft des Hauses Hohenlohe finden Sie hier.

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Johann Sebastian Bach gibt im Vorwort zu seinen Zweistimmigen Inventionen und dreistimmigen Fantasien dem Leser und Spieler folgende Worte mit: Aufrichtige Anleitung, Wormit denen Liebhabern des Clavires, besonders aber denen Lehrbegierigen, eine deüt⹀ liche Art gezeiget wird, nicht alleine (1) mit 2 Stim[m]en reine spielen zu lernen, sondern auch bey weiteren pro⹀ greßen (2) mit dreyen obligaten …

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Quelle: SL/Hans KLOTZ, Art. Antegnati, Costanzo, BIOGRAPHIE in: MGG Online, hrsg. von Laurenz Lütteken, New York, Kassel, Stuttgart 2016 ff., veröffentlicht November 2016. URL [09.03.2023]. Constanzo Antegnati stammt aus einer norditalienischen Orgelbaufamilie. Die bedeutendsten von ihnen sind in der Linie seit Bartolomeo Antegnati (Firmengründung), der die Domorgeln von Mailand, Como, Mantua, …

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Das Zeitalter des Barock kennt bereits mit dem Aufkommen der Oper im frühen 17. Jahrhundert das Echo-Prinzip und den ›fernen‹ Klang, wie aus Monteverdis Oper Orfeo klar hervorgeht. Die Türen des Brustwerks können geöffnet oder verschlossen werden. Ähnlich wirken Schallvorrichtungen bei Regalen. In spanischen und englischen Orgeln kennt man sogar Schwellvorrichtungen. Ebenso z. B. an der …

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Orgelbauer absolvierten in früheren Jahrhunderten wie auch viele andere Handwerker Wanderjahre. Die Orgelbauer Andreas Silbermann und Karl Joseph Riepp zog es nach Frankreich. Der aus Freiberg in Sachsen stammende ältere Bruder von Andreas Silbermann ging von 1704 bis 1706 zu Alexandre Thierry nach Paris, um dort den klassischen französischen Orgelbau zu erlernen. Mit der Orgel der Abteikirche …

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Der Begriff Diminution geht auf das spätlateinische Verb diminuere zurück: zerspalten, zersplittern, verringern, verkleinern. Zum einen bezieht sich das Diminuieren auf Notenwerte. In der Mensuralmusik wurde eine Diminution nur über Veränderung des Tempos ausgedrückt, in dem das Mensurzeichen einen senkrechten Strich erhielt oder die Zahl 2 oder 3 beim Taktzeichen hinzugefügt wurden – oder sich …

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DIRUTA, Il Transilvano. Dialogo sopra il vero modo di sonar organi ed istromenti da penna del R. P. Girolamo Diruta Perugino [...], Venedig 1593 (Teil I) und 1609 (Teil II). In Prima Parte, S. 10–12 vermittelt der Autor seinen Schülern den Umgang mit den Tasten durch Arm, Hand und Finger: berühren, fühlen, Tasten drücken (buono / gut) und Tasten anschlagen (cattivo / schlecht). Digitalisat: …

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Aus dem Mittellateinischen: cantus Gesang, discantus Gegengesang; bereits um 1300 eingedeutscht. Frühe Bezeichnung für die höhere, zum cantus firmus kontrapunktierende Stimme, dann Bezeichnung für die höchste Vokal- und Instrumentalstimme. In: openthesaurus.de. URL [18.06.2022].

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I Principal-Orgel in Italien als Tradierung der Blockwerk-Orgel des Spätmittelalters II Die Aliquoten und Zungen betonende Orgel in Westeuropa: Iberische Halbinsel, Frankreich, Belgien, Niederlande, Norddeutschland III Die Orgel des Grundlabialstils in weiten Teilen des übrigen Europa als Gebiete der ehemaligen k. und k. Monarchie sowie angrenzenden Ländern, darunter insbesondere Mittel- und …

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Im Jahre 1998 ließ Ernst ZACHARIAS seine dynamischen Zungen patentieren. Der Patentbrief ist unter der Nummer DE19856019A1 einzusehen auf der Internet-Seite des Deutschen Patent- und Markenamtes ›DEPATISnet | Version 6.1.0-0492-p1 vom 1. Juli 2022‹, [23.07.2022]. Kurzbeschreibung zu Beginn des Patentbriefes: »Arnold Schönberg wünschte sich eine dynamische Orgel. In einem Brief äußerte er sich …

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Die Namen der Organisten Albert Schweitzer und Emil Rupp sowie insbesondere die Orgelbauerwerkstätte Dalstein&Haerpfer verbinden sich mit der sog. Elsässischen Orgelreform. Grundlegend hierfür ist die Schrift Deutsche und Französische Orgelbaukunst und Orgelkunst (Leipzig 1906) von Albert Schweitzer. Im Unterschied zur späteren deutschen Orgelbewegung werden in der Elsässischen Orgelreform …

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These (CB): Stilistische und klangliche Phänomene der Orgel lassen sich gemäß ihrer historischen Überlieferung in drei Klangsäulen einteilen: I Principal-Orgel in Italien als Tradierung der Blockwerk-Orgel des Spätmittelalters sowie die Principal-Schwebung II Die Aliquoten und Zungen betonende Orgel in Westeuropa: Iberische Halbinsel, Frankreich, Belgien, Niederlande, Norddeutschland

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Den Begriff Familie verwende ich, um damit im Zusammenhang von Signatur, Familie und Werkeinheit insbesondere im Schaffen von Johann Sebastian Bach eine kompositorische Technik zu kennzeichnen, wie sie bislang unentdeckt geblieben ist. Der Zusammenhang dessen, was ich meiner Forschung nach als Signatur und Familie kennzeichne, kann bereits in Bachs erstem großen Kompendium, nämlich den Chorälen …

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Vgl.: Rudolf WALTER, Art. Fischer, Johann Caspar Ferdinand in: MGG Online, hrsg. von Laurenz Lütteken, New York, Kassel, Stuttgart 2016ff., zuerst veröffentlicht 2001, online veröffentlicht 2016, Link, letzter Abruf: 14.06.2023. Fischer lebte von 1656 (Schönfeld, heute Krásno bei Falkenau an der Eger, heute Sokolov) bis 1746 (Rastatt) und besuchte in Schlackenwerth, heute Ostrov, das …

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Gottfried Silbermann ging bei seinem älteren Bruder Andreas in Straßburg ab 1702 in die Lehre und übernimmt dort vertretungsweise auch die Werkstattleitung (siehe Glossar: Deutschland – Frankreich). Ab 1710 kehrt er nach Freiberg zurück. Um sein Können als künftiger Bewerber zum Bau der dorti- gen Dom-Orgel unter Beweis zu stellen, baut er 1711 sein Opus 1 in seiner Heimatstadt Frauenstein. Die …

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Aus: Johann Friedrich AGRICOLA, Sammlung einiger Nachrichten von berühmten Orgelwerken in Teutschland, mit vieler Mühe aufgesetzt von einem Liebhaber der Musik. Breslau verlegts Carl Gottfried Meyer. 1757. In: Friedrich Wilhelm Marburg: Historisch-Kritische Beyträge zur Aufnahme der Musik, Bd. III, Berlin 1757/58 (Reprint: Hildesheim 1970), S. 486–518, Zitat S. 505. (Online-Version in: Bayerische …

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Energetik als Urphänomen Die Astrophysik hat erbracht, dass sich die Energie des Universums daraus speist, was man seit einigen Jahrzehnten den ›Urknall‹ nennt. Der Diskurs zur Aufführungspraxis barocker Musik und der Diskurs zur Orgel kreist seit Jahrzehnten um Akzeptanz oder Nicht-Akzeptanz energetischer Prozesse insbesondere beim barock intendierten Orgelspiel. Doch neben Wollen oder …

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Francesco Geminiani wurde 1687 in Lucca geboren. Seinen ersten Violinunterricht erhielt er vermutlich von seinem Vater Giuliano, einem Violinist an der Cappella Palatina in Lucca. Als seine weiteren Lehrer werden Arcangelo Corelli, Alessandro Scarlatti und Carlo Ambrogio Lonati (Lunati) genannt. Nähere Daten sind zu Geminianis Ausbildung nicht vorhanden. 1706 ging er als erster Geiger an das …

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Von Johann Sebastian Bach sind aus seiner Zeit in Mühlhausen (1707 bis 1708) zehn Anweisungen zum Umbau der dortigen Orgel überliefert. Darin wird Bachs Wertschätzung des Aspektes Gravität in einer Orgel ersichtlich (siehe insb. Pkt. 4 und 5): Disposition der neuen reparatur des Orgelwercks ad D: Blasii. […] 2 Die 4 alten bälge so da vorhanden, müßen mit stärkerem Winde zu den neuen 32 Fuß …

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A Innerhalb der ›drei Klangsäulen in Europa‹ (Nomenklatur Christoph Bossert) firmiert das ›Grundstimmenplenum‹ bei Bossert als ein Phänomen innerhalb der ›Klangsäule III‹. Es meint, was der Bach-Schüler Agricola beim gleichzeitigen Erklingen von mehreren Achtfüßen als fremde Wirkung beschreibt. B Ein ›Grundstimmenplenum‹ wird aus der Gruppe der sogenannten Unterscheidlichen [Register] gebildet. …

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Der Terminus Grundtönigkeit taucht oftmals in Charakterisierungen der deutsch-romantischen und insbesondere der spätromantischen Orgel auf. Man verwendet diesen Terminus, um damit ein vermeintliches Defizit des deutsch-romantischen Orgeltyps zu kennzeichnen, nämlich einen Mangel an Oberton. Ich möchte diesen Terminus aus folgenden Gründen als untauglich zurückweisen. Der Gebrauch dieses Terminus …

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Folgt man den Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst von Christian Friedrich Daniel Schubart als einem Orgelinspektor in Süddeutschland in der Zeit des Sturm und Drang und zugleich einem der größten Improvisatoren seiner Zeit, dann lautet sein Urteil über die schönste Orgel in Deutschland: Die schönste aber von allen stehet in Halberstadt. Offen bleibt, welche Orgel Halberstadts Schubart hier …

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Das Kernland der Grafen zu Hohenlohe erstreckt sich im heutigen Nordwürttemberg und Teilen des Frankenlandes. Die Hauptresidenz war Öhringen. Wichtige weitere Residenzen sind Langenburg, Weikersheim, Waldenburg oder Schillingsfürst. Sie sind insbesondere auch musikalisch von Interesse: Öhringen, Weikersheim und Langenburg stehen in Verbindung mit der Bach-Familie, Schillingsfürst mit Franz Liszt. …

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Der von Randall Harlow entwickelte Begriff bezieht sich auf Orgeln mit modernster Technik wie Proportionalmagneten, MIDI oder OSC. Eine wichtige Zuspitzung erwächst zudem daraus, dass heutiges Orgel-Klangbewußtsein in den klanglichen Leistungen einer Zeit vor dem 20. Jahrhundert ein Ideal sieht, an das es heute aufgrund innerer Lebendigkeit wieder anzuknüpfen gilt. Aktuelle Beispiele der …

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Die Orgelimprovisation ist seit jeher Teil der Orgelkunst. Welche Elemente kennzeichnen die Improvisation bis Anfang des 19. Jahrhunderts? Die Kunst der inventio; die Beherrschung musikalischer Formen (Satztypen wie Praeludium, Fugato oder Fuge, Passacaglia; Rhythmisierung gemäß barocker Tanzformen) sowie die Kenntnis der Satztechnik (insbesondere die der Gegenbewegung), der Klauselbildung, der …

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Die italienische Mehrchörigkeit Venedigs inspirierte Heinrich Schütz; ein Adam Steigleder reiste per Stipendium nach Italien, um auf derartigen Instrumenten zu lernen; die Orgelkunst des Sohnes Johann Ulrich Steigleder atmet Italien durch und durch. Johann Caspar Kerll und Johann Jakob Froberger wurden in Rom Schüler von Frescobaldi. Jean Baptite Lully, der Begründer der französischen Ouverture, …

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Unter Key-Sound versteht Bossert den innerhalb eines Registerverbunds dominierenden und damit primären Klangeindruck des darin am charakteristischsten hervortretenden Registers. A Das klassische Ripieno Italiens, die Mixtur oder Cimbel in Deutschland sowie das Plein Jeu Frankreichs ist ein Key-Sound. Allerdings kann die Leuchtkraft, die hier den Schlüssel darstellt, durch nichts anderes mehr …

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Johann Philipp Kirnberger (1721–1783), der Sohn eines fürstlichen Lakaien in Saalfeld und Coburg, war Komponist, Musiker, Pädagoge und Theoretiker. Schon frühzeitig erlernte er Violine und Cembalo. Nach seiner Schulzeit studierte er u. a. bei Johann Peter Kellner in Gräfenroda und Sondershausen. Es wird vermutet, dass Kirnberger etwa 1739 in Leipzig von Johann Sebastian Bach Klavier- und …

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Kittel verweist in seiner Schrift über den »zweckmäßigen Gebrauch der Orgel bei Gottesverehrungen« im zweiten Teil seines Buches darauf hin, dass die Tempi der Praeludien C-Dur (WK I) besonders aber Cis-Dur (WK II) – gegenüber anders lautender Meinung – »auf der Orgel langsam und mit wohlgewählten sanften Registern vorgetragen [werden soll], wie ein heißes andächtiges Gebet, in welchem sich …

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Vgl. ›Drei Klangsäulen in Europa‹ Aus: Christoph BOSSERT, Die Königin der Konzertsaalorgeln. Zur Einweihung der neuen Klais-Orgel im Konzertsaal der Hochschule für Musik Würzburg am 27. Oktober 2016. PDF-Dokument in NANOPDF.com. URL [08.07.2022]: Ganz offenkundig zogen die süddeutschen Orgelbauer im Vergleich zu den Orgelbauern in anderen Klanglandschaften Europas ihre ganz eigenen Bahnen. …

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Justin Heinrich Knecht wurde 1752 in Biberach / Riss geboren. Dort wurde er mit 19 Jahren 1771 Musikdirektor (Organist, Musiklehrer, Organisator von Aufführungen). 1806 wurde er Musikdirektor am Stuttgarter Hof. Er starb 1817 in Biberach. An einem Artikel, der eine angemessene Würdigung von Justin Heinrich Knecht leistet, ohne ihn, wie zumeist, aufgrund von Kompositionen wie durch ein …

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Meine These lautet: Das Instrument Orgel lässt sich in ihrer äußeren Erscheinung im Wissen um deren grundsätzlichen baulichen Elemente anhand eines Junktims zweier Begriffe zureichend und vom Grundsatz her beschreiben: Komplexität und Skalierung. Davon unterscheidet sich eine prinzipiell andere Frage, nämlich die der Ideengebung als Frage nach dem sinnstiftenden Gebrauch des ›Instrumentum Orgel‹. …

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Bei Wikipedia finden Sie unter diesem Link eine Liste wichtiger historisch-musiktheoretischer Literatur. Diese möchten wir aufgrund ihrer Systematik und damit ermöglichter Zugänge ausdrücklich empfehlen.

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Der Terminus ›Mainfränkischer Orgelstil‹ greift historisch bei Orgeln der Region Würzburg im späten 17. Jahrhundert sowie im 18. Jahrhundert. Er geht einher mit dem Wirken von Balthasar Neumann und dessen Errichtung des – neben der stattlichen Marienfestung – neuen Residenzschlosses der Fürstbischöfe von Würzburg im Stadtzentrum. Zur Mainfränkischen Orgelbauschule können gezählt werden: Jost …

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Quellen: FORSCHUNGSSTELLE Geschichte der Mannheimer Hofkapelle der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. URL, [28.02.2023] Bärbel PELKER: Die kurpfälzischen Hofmusik in Mannheim und Schwetzingen (1720–1778), S. 195-366. In: LEOPOLD, Bärbel Pelker, (Hrsg.), Süddeutsche Hofkapellen im 18. Jahrhundert: Eine Bestandsaufnahme, Heidelberg: Heidelberg University Publishing, 2018 (= Schriften zur …

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Der Begriff kommt ursprünglich aus der Gesangstechnik und bezeichnet das An- und Abschwellen eines Tones. Eine konkrete Beschreibung gibt Pier Francesco TOSI (um 1653–1732) in seinem Traktat Opinioni de’ cantori antichi, e moderni o sieno osservazioni sopra il canto figurato (Bologna 1723) in Hauptstück I. Das gesamte Werk wurde im Jahre 1757 von Johann Friedrich Agricola (Berlin 1757) ins …

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Was ist von Metronomangaben in Orgelwerken bei Mendelssohn, Schumann oder Reger zu halten? Diese Fragestellung überlagert sich durch immer wieder geführte Diskussionen der vergangenen Jahre, ob jeder Ausschlag des Metronoms oder nur jeder zweite Ausschlag (Doppelschlag) zu zählen sei. In diesem Diskurs erscheint folgendes Zitat von Otto Scherzer (1821 – 1886) als Anmerkung zu Choral 1 »O Lamm …

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Im Jahre 1738 gründete Lorenz Christoph MIZLER [de Kolof] (* 26. Juli 1711 in Heidenheim, Mittelfranken; †8. Mai 1778 in Warschau) die Correspondierende Societät der musicalischen Wissenschaften, die erste musikwissenschaftliche Gesellschaft. Mitbegründer waren Giacomo de Lucchesini (†1739) und Georg Heinrich Bümler (1669–1745). Die von Mizler in den Jahren 1736–1754 herausgegebene die …

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A Gebrochene Obertasten: Der Begriff wurde in mehrfacher Weise verwendet: 1 Bauweise bei klavierten Instrumenten mit Subsemitonium (= ›Unter-Halbton‹ im Sinne von Unterteilung), um enharmonische Verwechslungen zu verhindern: c cis d es ⁄ dis e f fis g as ⁄ gis a b Auf diese Weise konnten auch bei mitteltöniger Stimmung entlegenere Tonarten mit mehreren Vorzeichen gespielt werden, und die so …

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Die wörtliche Übersetzung lautet: selbstständig, hauptstimmig, verbindlich, unentbehrlich, wesentlich. Der Begriff obligato kennzeichnet in der Musik eine Stimme, ein Instrument oder einen Satz, die/das/der innerhalb eines Stückes /Werkes unverzichtbar ist und nicht weggelassen werden darf – im Gegensatz zu ad libitum. Eine obligate Stimme wird somit einer konzertierenden Stimme gleichgesetzt und …

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Der von Bossert initiierte und geleitete Kongress lud gut ein Jahrzehnt nach dem Fall des sogenannten ›Eisernen Vorhangs‹ 12 Länderdelegationen des östlichen Europa sowie hochrangige westliche Fachvertreter nach Varazdin ein. Flankiert von abendlichen Konzerten in Varaždin und Umgebung wurden Länderberichte vorgetragen, die zuvor in jedem Land durch je einen Vertreter der Kirche, einer …

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Siehe dazu: Christoph BOSSERT: Orgel als Geschichtetes. In: Musik und Kirche Jg. 67, Kassel 1997, S. 111-116. A Wiewohl immer wieder Stilformen wie der Typus der Schnitger- Silbermann- oder der Hildebrandtorgel in Repliken Nachahmung im Sinne einer stilistischen Typisierung erfahren, so muss doch stets hinterfragt werden, ob etwas wie eine ’stilreine’ Orgel überhaupt existiert – warum? In der …

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Die Orgel als Orchester-Ersatz war in etlichen Klosterkirchen Usus. Damit kommt die Relation Knabenchor vs. Orgelbegleitung und das Moment klanglicher Flexibilität der Orgelpraxis in den Blick. Belegt ist dies beispielsweise durch Kloster Banz und dessen Leiter der Klostermusik Valentin Rathgeber /1682 – 1750) für die dortige Seuffert-Orgel von 1737 sowie durch das Benediktinerkloster Villingen …

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Christoph Bossert: »Ich meine, dass zwei Ebenen genügen, um das qualitative Wesen der Orgel, an welcher Art oder Beschaffenheit sie auch immer ausgerichtet sein mag, zu definieren. Dabei wird grundsätzlich vorausgesetzt, dass sie sich zunächst anhand von Wechselwirkungen zwischen Windsteuerung, Pfeifenreihen, Tasten sowie Ton- und Registertraktur versteht. Die beiden Ebenen einer weiteren …

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Michael PRAETORIUS, Syntagma Musicum, Tomus secundus, De Organographia. Wolfenbüttel 1619. Digitalisat IMSLP. Permalink [20.06.2022]: Auf S. 109 beschreibt Praetorius die Ausmaße der Alten Orgeln: Enderung vnd vermehrung der Clavirn »Gleich wie man nun vor dritthalb hundert Jahren mit Fleiß auf enderungen und zertheilungen der Stimmen bedacht gewesen / und durch Göttliches eingeben dasselbe …

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Die sog. ›Deutsche Orgelbewegung‹ unterscheidet sich deutlich von der zwei Jahrzehnte zuvor durch Albert Schweitzer und Emil Rupp initiierten sog. Elsässischen Orgelreform. Grundsätzlich werden solche Reformansätze gekennzeichnet durch Rückbeziehung auf ältere Orgelbautraditionen. Hierbei wird man nun sagen müssen: Genau diese Rückbezüglichkeit wird bei Walcker, Furtwängler, Ladegast, Schubert, …

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Die Terminologie der Unterscheidung zwischen Pars major und Pars minor basiert auf zum einen auf einer prinzipiellen strukturellen Erwägung zum Phänomen Orgel, zum andern auf Beobachtungen, wie Orgelbauer im Barock in Süd- und Mitteldeutschland das Verhältnis zweier Manualwerke definiert haben. Die prinzipielle strukturelle Erwägung ist die einer möglichst allgemeinen Definition des Instrumentes …

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A Merkmale: 1 Dass die tiefste Pedaltaste C ist, hat sich seit dem ausgehenden 16. Jh. durchgesetzt, während zuvor sowohl das bei F oder bei C beginnende Pedal in Gebrauch war. 2 Meistens bleibt jedoch der Ton Cis im Pedalwerk unbesetzt; Grund: Weil Ton Cis äußerst selten gebraucht wird, wird der Platz eingespart und entsprechend entfallen Kosten für große, also materialaufwändige Pfeifen. 3 …

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Zu den Orgeln von Gottfried Silbermann in Großhartmannsdorf (1741) und Fraureuth (1742) haben sich Registrieranweisungen überliefert. Sie lassen in idealer Weise nachvollziehen, wie sich bei Gottfried Silbermann Klangdenken und orgelbauliches Denken wechselseitig bedingt. Register-Zusammenstellungen bezeichnet Silbermann als ›Zug‹, woraus sich der Nasat-Zug, der Sifflet-Zug sowie viele weitere …

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Aus: Meinrad SPIESS: Tractatus Musicus Compositorio-Practicus, Opus VIII , Augspurg 1745. Digitalisat der BSB-MDZ München [VD18 1188777X-002], Sign.: 2 Mus.th.491 URN: , URL, public domain: CC BY-NC-SA 4.0 [05.03.2023], S. 156, 159. Abb.: Meinrad SPIESS: Tractatus Musicus Compositorio-Practicus, Augsburg 1745, S. 156, 159

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Aus: DeWiki.de - Wiki-Artikel Sammlung. URL [21.02.2023] Jean Paul wurde als Johann Paul Friedrich Richter wurde 1763 in Wunsiedel geboren. Sein Vater war der Lehrer und Organist Johann Christian Christoph Richter, der 1765 Pastor in Joditz im Hofer Land wurde. Die Atmosphäre des protestantischen Landpfarrhauses prägte Jean Pauls Kindheit. Im Jahr 1781 immatrikulierte sich Jean Paul an der …

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geb. am 18. Februar 1770 in Elgersdorf / Ilmenau (Thüringen) als Sohn einer Lehrerfamilie. Von ansässigen Kirchenmusikern nahe gelegener Orte erhielt er seine erste musikalische Ausbildung. Von 1786 an unterrichtete ihn Johann Christian Kittel aus Erfurt, der letzte Schüler von Johann Sebastian Bach. Auf ein weiterführendes Studium verzichtete Rinck zugunsten einer Stelle als Stadtorganist in …

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Die Säkularisation in Deutschland meint die Aufhebung der Klöster zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Es ist dies eine Konsequenz aus den dramatischen Ereignissen in Frankreich, die mit den Anfeindungen, denen die Hugenotten seit der zweiten Hälfte des 16ten Jahrhunderts ausgesetzt waren, und 1789 mit der französischen Revolution einhergeht. Dokumente in Hohenlohe benennen das Jahr 1806 als das Jahr …

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Johann Baptist Samber wurde in Salzburg geboren, lebte und wirkte auch dort. Über sein Leben sind bislang wenig Einzelheiten bekannt. Ab 1660 war er Sängerknabe im »Kapellhaus« unter der Leitung von Erzbischof Guidobald von Thun, an welchem Ort Samber in späteren Jahren auch seine Lehrtätigkeit ausübte. Als seine Lehrer werden Andreas Hofer und Georg Muffat angegeben sowie ein Studium an der …

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Aus: Johann Adolph SCHEIBE, Der critische Musicus. I, Hamburg 1738, II, Hamburg 1740, I und II, Leipzig 1745: Erster Theil. Sechstes Stück. Dienstags den 14 May, 1737., S. 46 f. URL, a [01.03.2023] – Nachdruck: Johann Adolph Scheibens, […] Critischer Musicus. Neue, vermehrte und verbesserte Auflage. Leipzig 1745. Reprint (des Nachdrucks): Hildesheim 1970. »Dienstags, den 14 May, 1737. – S. 46 – …

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Auszüge aus Artikeln der Schubart-Gesellschaft; alle wörtliche Zitate werden gekennzeichnet. URL Christian Friedrich Daniel Schubart, schwäbischer Dichter, Komponist, Organist, Musikdirektor und Publizist, wurde am 24. März 1739 als Sohn des Obersontheimer Kantors und Lehrers Johann Jakob Schubart und dessen Ehefrau Anna Helena Juliana, einer Tochter des Sulzbacher Forstmeisters Hörner in …

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Schumacher war Schullehrer und Organist in Deggingen / Württemberg. Im Jahre 1864 verlegte er eine Sammlung von hundert neuen Orgelstücken zum kirchlichen Gebrauch, die er z. T. mit Registeranweisungen versah. Die eher allgemein gehaltene Registrierungen sind in der damals üblichen Weise angegeben: »mit einigen schwachen Stimmen«, »das volle Werk«, »ein kleines Nachspiel mit starken Stimmen«, …

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Aus: Deutsches Albert Schweitzer Zentrum. URL [29.06.2022]: Albert Schweitzer, geboren am 14. Januar 1875 im elsässischen Kaysersberg als Sohn eines Pfarrers, zählt zu den bedeutendsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Er studierte an der Universität Straßburg Theologie und Philosophie und promovierte in beiden Fachgebieten. Er war als Vikar tätig, erforschte vor allem Leben und Lehre von …

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Der Terminus Signatur bezeichnet im Allgemeinen die persönliche Unterschrift. Ich habe diesen Begriff übernommen, um damit insbesondere im Schaffen von Johann Sebastian Bach eine kompositorische Technik zu kennzeichnen, wie sie bislang unentdeckt geblieben ist. Das Wort ›Signatur‹ kann meiner Forschung nach bereits in Bachs erstem großen Kompendium, nämlich den Chorälen Bachs aus der …

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Abbé Vogler hat in Würzburg ganz evident den neuen Klangstil anhand immer weiterer Differenzierung von Achtfüßen erlebt und eigene Ideen beigetragen. Vogler sagte, man könne den Klang bestimmter Register, die sehr viel Wind verbrauchen, wie beispielsweise den offenen oder gedeckten 32’, durch 16’ und Quinte 10 2/3’ als Kombinationston herstellen oder wir können einen 16-füßigen Klang herstellen, …

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Aus: Hermann KELLER, Aufsätze – Reden – Vorträge: 1942 – Johann Ulrich Steigleder. Schwäbische Lebensbilder. (Online-Version). URL [01.03.2023]. Johann Ulrich Steigleder ist der Letzte einer Organisten-Dynastie: Utz Steigleder (?–1581) – Adam Steigleder (1561–1633) – Johann Ulrich Steigleder (1593–1635). Von seinem Vater Adam erlernte Johann Ulrich das Orgelspiel. Einhundert Jahre haben diese …

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Aus: Gerald DREBES: Monteverdis »Kontrastprinzip«, die Vorrede zu seinem 8. Madrigalbuch und das »Genere concitato«. In: Musiktheorie, Jg. 6 (1991), S. 29-42. Online: Gerald DREBES – 2 Aufsätze online: Monteverdi und H. Schütz. Archived from the original on 2016-03-03. Retrieved 2017-07-30. URL [16.03.2023]. Der Begriff ›Stile concitato‹ oder »aufgeregter Stil« wird als ein von Claudio Monteverdi …

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Stichwort: Holzhey – Riepp – Neresheim (Vgl. OLV Giengen). Süddeutscher Grundlabialstil Französische Zungen Italienische Schwebung die Holzhey-Orgel von 1797, eine Orgel in deutsch-französischem Synthesestil.

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Tempus = Zeit; perfectum = vollkommen ist ausschließlich ein Attribut, das Gott zukommt. Dabei gilt der Satz: Gott hat alles geordnet nach Maß, Zahl und Gewicht (Weisheit 11, 21). Demgemäß ergab sich für geistliche Musik seit dem Spätmittelalter anhand der Unterscheidung zwischen drei- und zweizeitigem Metrum die Unterscheidung zwischen Tempus perfectum (dreizeitiges Metrum) und Tempus …

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Register wie Gedackt 8', Quintatön 8' und Viola di Gamba 8' wie auch Gemshorn 8' oder Flaut major 8' sind Klangfarben, wie sie sich im deutschen – nicht im italienischen und außer Gedackt auch nicht im spanischen oder französischen – Sprachraum herausgebildet haben. Bereits in Orgeln von Vest 1672 in Hermannstadt / Sibiu (Siebenbürgen, heute Rumänien), Mundt 1673 in Prag, Teynkirche oder Schleich …

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Georg Joseph Vogler, genannt Abbé Vogler, wurde 1749 in Würzburg als jüngster Sohn des Geigenmachers Johann Georg Vogler geboren und besuchte dort das Gymnasium und Lyceum der Jesuiten. Schon sehr früh war Vogler ein hervorragender Clavier- und Orgelspieler. Er studierte in Würzburg und Bamberg Jura (Jura: weltliches Recht und Kirchenrecht) sowie Theologie. 1771 wurde Vogler als an den Mannheimer …

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Handschriftliche Notizen aus seinem Kalender von 1856 zur Holzhey-Orgel der Abteikirche zu Neresheim Zu Umgang mit Quellen

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Aus: Johannes FISCHER: Das Orgelbauergeschlecht Walcker in Ludwigsburg. Die Menschen, die Zeiten, das Werk. Mit einem Nachwort von Professor Dr. Theodor Heuss und einer Überleitung »Die Brücke zu Heute« von Dr. Hellmuth Jaeger. Kassel (u. a.): Bärenreiter, 1966, S. 102-103. Abb.: Johannes Fischer: Das Orgelbauergeschlecht Walcker in Ludwigsburg. Die Menschen, die Zeiten, das Werk, S.102–103.

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Aus: M. Jakob ADLUNG, Musica mechanica organoedi./ Das ist:/ Gründlicher Unterricht/ von/ der Struktur, Gebrauch und Erhaltung, u./ der Orgeln, Clavicymbel, Clavichordien/ und anderer Instrumente,/ in so fern/ einem Organisten von solchen Sachen etwas zu wissen nöthig ist., Bd. 1, Berlin 1768, S. 282-283. URL [16.03.2023].

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Andreas Werckmeister (1645-1706) war Organist und Musiktheoretiker der Barockzeit. Er beschäftigte sich in seinen Schriften Musikalische Temperatur […] (1691) oder Musicalische Paradoxal-Discourse (1707) ausführlich mit Stimmungssystemen für klavierte Instrumente. ›Werckmeister III‹ ist eines seiner Stimmungssysteme und beruht auf einer Stimmtonhöhe von 467 Hz.

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Der Terminus Werkeinheit dient mir zur möglichst neutralen Benennung eines großen Verbundes von Stücken im Schaffen von J. S. Bach. Während der Terminus Sammlung meint, dass hier durchaus sehr unterschiedliche Stücke – beispielsweise im Klavierbüchlein für W. Fr. Bach oder für Anna Magdalena Bach von J. S. Bach – gesammelt vorliegen, während ein Zyklus eine Geschlossenheit im Sinne einer …

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Hierzu liegen zwei Patentschriften von Ernst Zacharias mit den Nummern DE4237528 und DE19513363 unter der Bezeichnung »Zungengenerator« vor. Sie sind einzusehen auf der Internet-Seite des Deutschen Patent- und Markenamtes , [23.07.2022]. Durch diese beiden Patente wird der Wunsch Schönbergs nach dynamischen Pfeifen eingelöst. Vgl. auch: URL, [23.07.2022]

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