Metronomangaben

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Was ist von Metronomangaben in Orgelwerken bei Mendelssohn, Schumann oder Reger zu halten? Diese Fragestellung überlagert sich durch immer wieder geführte Diskussionen der vergangenen Jahre, ob jeder Ausschlag des Metronoms oder nur jeder zweite Ausschlag (Doppelschlag) zu zählen sei. In diesem Diskurs erscheint folgendes Zitat von Otto Scherzer (1821 – 1886) als Anmerkung zu Choral 1 »O Lamm Gottes« und der Angabe »Maelzel«: Achtel 52″ aus dessen Choralfigurationen op. 5 (Rieter-Biedermann, Leipzig 1884) aufschlussreich:

»Die Tempi sämtlicher (sic.) Nummern mit Ausnahme von No. 13, welche etwas bewegter ist, sind schwer und gehalten. Die Metronomisierung derselben erschien nöthig, weil die rapiden Tempi’s unserer Tage nun leider auch auf der Orgel angeschlagen werden.«

Scherzers Choralfigurationen op. 5 lassen hinsichtlich der Satztechnik und einer Rhythmisierung von konstant laufenden Sechszehnteln zu 4/4 pro Takt eine klare Rückbindung an Bachs Orgelbüchlein erkennen. Gemäß Scherzers Angabe ist die Dauer einer Achtelnote mehr als eine Sekunde. Eine Halbenote währt nahezu 7 Sekunden, ein Takt dauert nahezu 14 Sekunden und umfasst damit beinahe ein Viertel einer Minute. Die 21 Takte zu je 4/4 von Scherzers O Lamm Gottes belaufen sich so auf eine Dauer von gut 5 Minuten.

Würde man jedoch Scherzers Angabe »Maelzel: Achtel 52« auf den Doppelschlag beziehen, wäre das Tempo halb so schnell, was jedoch musikalisch einer Absurdität gleich käme. Insofern erscheint es für die Musikkultur in Deutschland kaum vorstellbar, vom Doppelschlag als dem Richtwert bei Metronomangaben auszugehen.

CB