Schubart, Christian Friedrich Daniel

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Auszüge aus Artikeln der Schubart-Gesellschaft; alle wörtliche Zitate werden gekennzeichnet. URL

Christian Friedrich Daniel Schubart, schwäbischer Dichter, Komponist, Organist, Musikdirektor und Publizist, wurde am 24. März 1739 als Sohn des Obersontheimer Kantors und Lehrers Johann Jakob Schubart und dessen Ehefrau Anna Helena Juliana, einer Tochter des Sulzbacher Forstmeisters Hörner in Obersontheim geboren, wo er das erste Lebensjahr verbrachte. 1740 zog die Familie nach Aalen, wo sein Vater als Pfarrvikar und Musikdirektor wirkte. Schubart betrachtete Aalen zeitlebens als seine Heimatstadt. Er besuchte in Aalen sowie ab 1753 in Nördlingen die Lateinschule und ging 1758 nach Erlangen, um Theologie zu studieren.

Nach einem abgebrochenen Theologiestudium und erfolglosen Bewerbungen um ein Auskommen führte ihn sein Weg zunächst als Schuladjunkt nach Geislingen, wo er heiratete und eine Familie gründete. Er war als Knabenschullehrer tätig, obwohl er immer das Predigtamt anstrebte. In Geislingen fing Schubart an, als Literat und Journalist zu wirken und wurde für „seine obrigkeitskritische Meinung“ vielfach getadelt. Er war zeitlebens für seinen ausschweifenden und provokanten Lebensstil sowie seine Konflikte mit der geistlichen Obrigkeit bekannt. Dennoch setzte er seine künstlerische Freiheit oft kompromisslos durch und bewahrte sich sein freies Denken, was er mit einer Haftstrafe büßen musste.

Als Musiker war Schubart schon in jungen Jahren aktiv. Bereits mit 8 Jahren soll er seinen Vater im Klavierspiel übertroffen haben. In Geislingen bat er darum, zusätzlich das Musikdirektorium übernehmen zu dürfen und eine halbe Stelle als Organist an der Stadtkirche zu erhalten, was ihm auch gestattet wurde. Hinzu kamen Tätigkeiten als Musiklehrer der Schuljugend. Zudem war Schubart als Orgelinspektor tätig. 1760 wurde er in Königsbronn Hauslehrer der Familie Bezinger. Mit Johann Georg Bezinger verband ihn eine enge Freundschaft. »In der umliegenden Gegend begann er öffentlich zu predigen, erteilte Musikunterricht und widmete sich mit Leidenschaft einem rauschhaften Orgelspiel«.

Seit 1769 wirkte er am württembergischen Hof in Ludwigsburg unter Herzog Carl Eugen als Organist der Stadtkirche und als städtischer Musikdirektor. Der Herzog ließ damals das größte Opernhaus in Europa sowie die erste öffentliche Bibliothek Württembergs errichten und berief die Akademie der Künste ins Leben. Schubart besserte sein Gehalt mit Privatunterricht auf. Zahlreiche Gottesdienstbesucher kamen nur, um Schubart an der Orgel zu erleben, und verließen den Gottesdienst anschließend wieder, was den Verdruss der in der Stadtkirche amtierenden Geistlichen auf sich zog. Für Johann Wolfgang von Goethe war Schubart sogar einer der besten Klavier- und Orgelspieler seiner Zeit.

Schubarts »sicher nicht unbegründete und satirische Angriffe« auf Herzog Carl Eugen führten 1773 zu seiner Entlassung und Verbannung aus Württemberg. Auf der Suche nach einer Anstellung und einem Auskommen gelangte er auch nach Mannheim sowie München. Ab 1774 ließ er sich dann vorläufig in Augsburg nieder, und nahm von dort aus seine journalistische Tätigkeit wieder auf.

In seinen »sozialkritischen, wortgewaltigen Schriften« prangerte Schubart seinerzeit die absolutistische Herrschaft in Württemberg an. Im Gegensatz zu Schiller, der rechtzeitig fliehen konnte, wurde Schubart für seine heftige Kritik inhaftiert, nachdem ihn der Herzog 1777 in seinen Herrschaftsbereich nach Blaubeuren lockte, ihn festnehmen und ohne Prozess auf dem Hohenasperg von 1777 bis 1787 einkerkern ließ. Dort diktierte Schubart einem Mitgefangenen seine Lebensgeschichte sowie die Schrift Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst durch ein Mauerloch in der Wand der Zelle.

Noch vier Jahre nach seiner Entlassung 1787 lebte Schubart in Stuttgart und wirkte dort als Hof- und Theaterdirektor. Im Jahre 1791 verstarb er dort.

Schubarts publizistische Schriften verhalfen ihm zu seinem literarischen Überleben. Heute bezeichnet man ihn als Vorläufer der klassischen Kulturepoche und Begründer des freien Journalismus, der seine Ursprünge auch im Hause der Familie Bezinger hatte.

Es stellt sich nun die Frage, warum Schubarts Schrift Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst heute noch von Interesse ist. Drei Aspekte erscheinen bemerkenswert:

1 Schubart nennt Bach und Händel die größten Komponisten des 18ten Jh. (Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst, S. 99–103).

2 Er schildert das Musikleben im damaligen Deutschland – man staunt, wie er diese profunden Kenntnisse erlangen konnte. Insbesondere nimmt er zu Orgelfragen Stellung.

3 Schubart entwirft eine Tonartencharakteristik, was eine höchst wertvolle weitere Quelle darstellt.

Hinzu kommt, dass Schubart die ausgesprochene Wertschätzung von Schiller und Goethe genoss. Er galt als einer der besten Improvisatoren seiner Zeit. Schiller zog es vor – nachdem er Schubart im Gefängnis besucht hatte –, seinen weiteren Wirkungsradius mit Goethe zu verbinden und Württemberg den Rücken zu kehren.

Anmerkung: Es wäre äußerst wichtig, danach zu recherchieren, wie weit ist es als wahrscheinlich angenommen werden kann, dass Schubart und Johann Heinrich Bach sich begegnet sind. Schubarts internes Wissen über Johann Sebastian Bach lässt es zu, diese Frage zu stellen und ist naheliegend.

Öhringen war die Residenzstadt des Hauses Hohenlohe, in der Johann Heinrich Bach von 1735 an 50 Jahre als Kantor, Lehrer und Organist wirkte. Zuvor lebte er im Hause seines Onkels Johann Sebastian Bach und war dessen Notenkopist. Welche Rückschlüsse auf eine Bachrezeption über Öhringen hat man zu ziehen, wenn ein Kantor der hohenlohischen Residenzstadt unmittelbar angrenzend an das württembergische Territorium wirkt?

AD/CB