Nachruf auf Samuel Kummer

Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen

Martin Luther 1524

Portrait Samuel Kummer

Nun teilen heute am 24. April 2024 bereits die Medien die unfassliche Nachricht vom plötzlichen Tode von Samuel Kummer mit. Gestern am frühen Abend brach diese Nachricht noch ganz persönlich und völlig unwirklich über mich herein und wurde nach und nach traurige Gewissheit.

Samuel Kummer hat für mich an der HfM Würzburg im Sommersemester 2024 voller Energie eine Lehrstuhlvertretung zu 50 % übernommen. Zuletzt habe ich mit Samuel am vergangenen Freitag telefoniert, als er dabei war, sein (ehemaliges) Büro an der Frauenkirche Dresden zu räumen. Er berichtete mir tief betroffen davon.

Heute, wenige Tage später, hätte um 10 Uhr sein Unterricht wieder beginnen sollen. Auf dem Weg nach Würzburg ist er im Dresdener Hauptbahnhof zusammengebrochen.

Lieber Samuel, Du warst 15 Jahre alt, als Du mein Orgelschüler wurdest. Wie viele Stunden haben wir dabei verbracht?! Manchmal bist Du auch zusammen mit Deinem Bruder Joachim gekommen. Du hast mir bei Konzerten und Aufnahmen registriert – Videos zeigen Dich in diesen jungen Jahren – die Kirche hieß ›Frauenkirche Esslingen‹. Dann machtest Du Deine Aufnahmeprüfung in Stuttgart. Wir blieben immer verbunden und dafür bin ich sehr dankbar!

Als Du Juror der ION im Orgelwettbewerb Nürnberg warst, gabst Du in der Frauenkirche Nürnberg ein Improvisationskonzert. Wer Dich damals hören durfte, wird dieses unvergleichliche Erlebnis immer im Gedächtnis bewahren. Und so durfte man Dich auch an vielen anderen Orten dieser Welt hören. 17 Jahre lang warst Du der Organist der wiedererstandenen Frauenkirche Dresden; nach der Zerstörung 1945 warst Du seit ihrer Wiedereinweihung 2005 ihr erster Organist!

Du warst ein Künstler von allererstem Rang, ein Meister der Improvisation – das wird bleiben. Doch die Improvisationskunst lebt in der Gegenwart. Welch ein Verlust!

In den letzten Wochen hast Du Dich in Würzburg in Deine Unterrichtsarbeit mit unglaublicher Verve regelrecht hineingeworfen – und nun müssen wir über Dich in der Vergangenheit sprechen – wie unwirklich ist das!

Deiner Familie wünsche ich von Herzen Trost und Linderung ihres Schmerzes. Wer Dich gekannt hat, weiß, dass Du ein tiefgläubiger Mensch warst, der in liebevoller Weise mit seinen Mitmenschen umging. Du konntest staunen. Du konntest Dich in sehr authentischer Weise erstaunt zeigen und begeistert sein. Du konntest Dinge in ihrer Wahrheit erspüren und deshalb warst Du ein gänzlich uneitler Künstler. Ich bin so dankbar für die tiefe Freundschaft, die uns zeitlebens verbunden hat.

Dich umgibt nun ein Raum und ein Angesicht in neuem und unvergänglichem Licht!

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